Datenschutz-L├╝cke bei elektronischer Gesundheitskarte

Wie das ZDF heute-Journal berichtet, sind die Sicherheitsl├╝cken im Umgang mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) noch bedenklicher, als von Kritikern bisher angemahnt wurde. Mitarbeiter des ZDF begleiteten den Selbsttest: Der Datensicherheitsexperte f├╝r das Gesundheitswesen, Dr. Andr├ę Zilch, rief bei der AOK, der Krankenkasse eines ZDF-Mitarbeiters, an und meldete sich mit dessen Namen. Er behauptete, umgezogen zu sein. Nach dem ersten Teil der Versichertennummer fand ihn die Mitarbeiterin im System und best├Ątigte die ├änderung der Adresse und die Zusendung der neuen eGK an diese. Kurz darauf erh├Ąlt Zilch die Karte und erstellt damit ein Online-Konto bei der AOK. Dadurch erh├Ąlt er alle Daten ├╝ber Arztbesuche und Behandlungen.

Von Beginn an sorgte die Gesundheitskarte f├╝r gro├čen Wirbel und Verunsicherung bei den Versicherten. Seit Januar 2015 ist es nun f├╝r Versicherte praktisch nicht mehr m├Âglich, ohne die eGK zum Arzt zu gehen, wenn sie nicht riskieren wollen, die Kosten f├╝r den Arztbesuch selbst tragen zu m├╝ssen. Alternativ haben manche Arztpraxen die M├Âglichkeit einger├Ąumt, sich bei jedem Arztbesuch die Mitgliedschaft bei der Krankenkasse telefonisch oder per Fax best├Ątigen zu lassen. Doch zunehmend schwindet auch diese Alternative und der Patient ist nun gezwungen, die eGK zu benutzen. Welcher Patient ist im Krankheitsfall schon in der Verfassung, sich mit seiner Arztpraxis herumzustreiten? Somit d├╝rften auch die meisten Kritiker der eGK dem Druck nun nachgegeben haben.

K├╝nftig sollen die Daten der Patienten ├╝ber ein sicheres Kommunikationsnetz zwischen ├ärzten, Krankenh├Ąusern und Apotheken ausgetauscht werden k├Ânnen. Das bedeutet eine enorme Papierersparnis, weil z.B. Rezepte mit Hilfe der Karte von Apotheken abgelesen werden k├Ânnen und der Patient sie nicht mehr in die Hand bekommt. Der Nutzen f├╝r den Patienten ist allerdings eher mager. Noch dazu kommt das Risiko, dass die detaillierten Gesundheitsdaten eventuell auch f├╝r den Arbeitgeber, oder den potenziellen Arbeitgeber, einzusehen sein k├Ânnten. Und welcher Arbeitnehmer m├Âchte sch├Ân, dass sein Arbeitgeber einen kompletten Einblick in die Krankenakte erh├Ąlt, in der alle Befunde und Krankheiten dokumentiert sind?

Manche Anwendungen der Karte sind bislang freiwillig. Dazu geh├Âren beispielsweise Notfalldaten, die einem Notarzt zur Verf├╝gung gestellt werden k├Ânnen, der elektronische Arztbrief f├╝r den Informationsfluss zwischen den ├ärzten, die elektronische Patientenakte, in der der gesamte Krankheitsverlauf gespeichert ist. Dazu geh├Âren beispielsweise Laborbefunde, R├Ântgen- und Ultraschallbilder und s├Ąmtliche verordneten Medikamente. Es ist aber zu vermuten, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch diese freiwilligen Funktionen zur Pflicht werden.

Wie jetzt bekannt geworden ist, soll der geplante Praxistest der eGK, der urspr├╝nglich f├╝r das vierte Quartal diesen Jahres vorgesehen war, auf n├Ąchstes Jahr verschoben werden. Grund daf├╝r seien wohl Lieferverz├Âgerungen bei der Hardware, die ben├Âtigt wird, um die Versichertendaten online abgleichen zu k├Ânnen. Urspr├╝nglich sollten Musterexemplare der Hardware bereits am 1. Juli an das Bundesamt f├╝r Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geliefert werden. Da dieser Termin nicht eingehalten werden konnte, verschieben sich jetzt auch alle weiteren, geplanten Termine. So kann der geplante Praxistest in den Testregionen Nordwest und S├╝dost jetzt fr├╝hestens im ersten Quartal 2016 beginnen. Auch die Einf├╝hrung der qualifizierten digitalen Signatur der ├ärzte und damit verbundene M├Âglichkeit, elektronische Arztbriefe ab Mitte 2016 zu verschicken, muss aus oben genannten Gr├╝nden verschoben werden.

Kritiker der Gesundheitskarte f├╝rchten Datenschutzprobleme. Das BSI hatte zuletzt noch zus├Ątzlichen Schutz f├╝r die Hardware verlangt, damit physischen Attacken vorgebeugt werden kann. Ob die hochsensiblen Gesundheitsdaten zuk├╝nftig unter einem besonders hohen Schutz stehen werden, wie es eigentlich der Fall sein sollte, bleibt abzuwarten. Festgestellt werden muss leider, dass dieser Schutz schon jetzt nicht gew├Ąhrleistet ist, wenn die Krankenkassen nicht einmal die Daten ihrer Patienten besonders gut sch├╝tzen.

Bitte um den ersten Kommentar.

Mitdiskutieren

Sie k├Ânnen dieseHTML Schlagworte und Eigenschaften verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

´╗┐