Die Folgen eines Hackerangriffs am Beispiel der Sony-Leaks

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Was dem Hollywood-Studio Sony, Tochter des japanischen Mutterkonzerns, seit dem Ende November widerfährt, ist ohne Beispiel. Und doch ist es wohl nur ein Vorgeschmack von dem, was kommen wird: die Zerstörung von Firmen durch die Veröffentlichung vertraulicher Informationen.

Die Geschichte beginnt Ende November damit, dass die Hacker-Gruppe „Guardians of Peace“ zahlreiche interne Dokumente der Filmproduktionsfirma Sony an die Ă–ffentlichkeit bringt. 600.000 Dokumente mit einem Volumen von 230 Gigabyte wurden bereits Anfang Dezember veröffentlicht, rund 100 Terabyte sollen abgesaugt worden sein.

Und es gibt Emails. Viele gehackte Emails, in denen es um mehr oder weniger brisante Details geht. Von Lästereien über Kollegen in Hollywood, private Emailkommunikation von Sony-Mitarbeitern über die Adoption eines chinesischen Kindes bis zu Streitigkeiten mit Regisseuren und Konkurrenten. Und das in einer Branche, in der es vor allem auf persönliche Beziehungen ankommt.

Was könnte einen noch an Firmengeheimnissen bei Sony interessieren? Vielleicht die „Ultimates“, der tatsächliche Gewinn eines Films nach Abzug aller Kosten? Bitte. Auch bei diesen gut gehĂĽteten Firmengeheimnissen können jetzt alle mitreden: „Das ist das Ende“ mit James Franco erlöste 50 Millionen Dollar, „Kindsköpfe 2“ mit Adam Sandler 48 Millionen und selbst der vermeintliche Flop „Monuments Men“ mit George Clooney noch zehn.

Und es ginge noch beliebig weiter: die Sozialversicherungsnummern Tausender Sony-Angestellter (auch von Silvester Stallone), fünf neue Produktionen aus dem Hause Sony – die Liste der enthüllten Firmengeheimnisse ist lang. Und die Folgen für das Unternehmen sind kaum abzuschätzen.

Mit welchem Hintergrund agieren die Hacker von „Guardians of Peace“? Eine Theorie ist, dass Nordkorea hinter dem Angriff steht. Nordkorea kritisierte bereits mehrfach die Komödie „The Interview“, in der es um fiktive CIA-Pläne zur Ermordung von Staatschef Kim Jong-un geht, und bezeichnete den Film als „Kriegshandlung“. Der Angriff auf Sony könne auf UnterstĂĽtzer und Sympathisanten des Landes zurĂĽckgehen.

Eine zweite Theorie macht inzwischen ehemalige Mitarbeiter für den Angriff verantwortlich, weil sich die Hacker im Sony-Netzwerk offensichtlich ausgezeichnet auskannten – und dort monatelang unbemerkt geschnüffelt haben müssen.

Beide Theorien sind beängstigend. Und wenn eins aus der Geschichte der Sony-Leaks deutlich wird, dann die Folgenschwere eines Angriffs auf ein Firmennetzwerk. Wurde bei der Androhung des Hackerangriffs bei Sony vielleicht noch argumentiert, dass es sich dabei um hohle Worte handele und eine Investition in IT-Sicherheit nicht notwendig sei, so sollte sich die Meinung dazu mittlerweile geändert haben.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis alle Enthüllungen ans Tageslicht treten. Und es wird noch länger dauern, die Folgen dieses Angriffs zu beseitigen. Wenn sie sich denn überhaupt beseitigen lassen. Vielleicht hätte sich eine Investition in IT-Sicherheit doch gelohnt.

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